Marengo Spezialdiäten: Diabetes mellitus

Graphik Kleiner Hund  liegt hinter einer Indulinspritze mit Viole

 

Ein paar Worte vorab

Die Fütterung von Hunden, die unter Diabetes mellitus (DM) leiden, scheint auf den ersten Blick sehr kompliziert zu sein. Nicht nur die Tatsache, dass eine Diabeteserkrankung aufgrund unterschiedlichster Ursachen entstehen kann (siehe hierzu unter Hintergrundinfos Diabetes mellitus, beunruhigt Halterin und Halter. Eine Verunsicherung entsteht ebenfalls dadurch, dass es gilt, die Risiken sowohl einer Über- als auch einer Unterzuckerung zu vermeiden. Dies ist nicht immer ganz so einfach. Aus diesem Grund spielt eine angemessene Fütterung sowie das gesamte Gesundheitsmanagement eine wichtige Rolle.

 

Proteinversorgung

Grundsätzlich hat sich in der Praxis bei Diabetikerhunden im Vergleich zu nicht-diabetischen Tieren ein leicht erhöhter Anteil an Proteinen in der Ration durchgesetzt und bewährt. Der leicht erhöhte Proteingehalt ist hierbei insbesondere durch das Zusammenspiel mit bevorzugten Kohlenhydrat- und Fettgehalten ursächlich verknüpft.

Veraltet ist die leider noch häufig anzutreffende Empfehlung, Hunde mit DM hauptsächlich oder sogar ausschließlich mit Fleisch – gegebenenfalls in Verbindung mit einem minimalen Anteil an Flocken und Gemüse – zu füttern. Diese Empfehlung beruht auf der Tatsache, dass im Zuge von Laborversuchen bei einer ausschließlichen Fleischfütterung eine Anregung der körpereigenen Insulinproduktion festgestellt wurde. Diese eventuelle Vermehrung der körpereigenen Insulinproduktion steht aber in keinem Verhältnis zu den schädigenden Wirkungen einer durch reine Fleischfütterung bedingten Eiweißüberversorgung auf die Stoffwechselorgane – insbesondere Leber und Nieren. Einerseits muss der Organismus bei einer reinen Fleischfütterung seinen natürlich immer noch vorhandenen Bedarf an Kohlenhydraten über stark belastende Stoffwechselumwandlungsprozesse u. a. aus Eiweißen (Glukoneogenese) decken. Andererseits erhöht sich die Menge an Abbauprodukten, die grundsätzlich innerhalb des Eiweißstoffwechsels anfällt.

Da bei diabeteskranken Hunden die Stoffwechselfunktionen bereits stark beeinträchtigt sind, sollte die Erkrankung auf keinen Fall durch eine Eiweißüberversorgung verschlimmert bzw. andere Erkrankungen provoziert werden – zumal es auch keine aktuellen Studien gibt, die diese Vorgehensweise bestätigen würden. Im Gegenteil, z. B. bei gleichzeitig vorliegenden Nierenerkrankungen können sogar proteinreduzierte Rationen durchaus von Vorteil sein. (*2)

Unsere Empfehlung zur Proteinversorgung:

Hunde, die unter DM leiden, benötigen eine hochwertige und leicht verdauliche Eiweißgrundlage unter Verzicht auf minderwertige, stoffwechselbelastende Komponenten. Im Gegensatz zu nicht-diabetischen Hunden sollte der Proteinanteil leicht erhöht sein. Der Rohproteingehalt i. d. TS der Gesamttagesration sollte für schlanke oder untergewichtige Hunde (häufig Diabetes Typ I) zwischen 23-27% und für übergewichtige Hunde (häufig sekundärer Diabetes Typ II) zwischen 22-25% liegen. So wird die Basis für eine optimale Proteinversorgung geschaffen und gleichzeitig eine übermäßige Produktion von Abbauprodukten vermieden.

 

Kohlenhydratversorgung

Bei einem diabeteskranken Hund ist das Ziel der Kohlenhydratversorgung, einen relativ konstanten, angemessen hohen Blutzuckerspiegel zu gewährleisten. Nur so kommt es nicht infolge von extremen Blutzuckerschwankungen zu unnötigen Belastungen von Bauchspeicheldrüse, Leber und anderen Organen. Gleichzeitig verringert sich damit auch das Riskio von Über- oder Unterzuckerungen.
Es ist nicht sinnvoll, zu kohlenhydratarm zu füttern, da selbstverständlich auch der Organismus eines diabeteskranken Hundes Energie benötigt. Bei einem Mangel an Glukose wird der Körper gezwungen, auf Kosten der Gesundheit durch aufwendige Stoffwechselumwandlungsprozesse, Energie aus anderen Nährstoffquellen zu generieren. Ein ausgewogener Anteil an geeigneten Kohlenhydraten – falls nötig, in Verbindung mit einer Insulintherapie – sowie ein kluges Fütterungsmanagement sind gefragt.

Einfach- und Zweifachzucker

Der Begriff „Kohlenhydrate“ ist ein Oberbegriff für verschiedene Zuckerverbindungen. Im Zusammenhang mit der Fütterung von diabeteskranken Hunden sind Einfachzucker – Traubenzucker (Glukose), Fruktose (Fruchtzucker), Galaktose (Schleimzucker) – und Zweifachzucker – Haushaltszucker (Saccharose), Laktose (Milchzucker), Maltrose (Malzzucker) – von Bedeutung.
Ein- und Zweifachzucker sind, wie der Name schon sagt, aus einer oder zwei Zuckerverbindungen zusammengesetzt. Aus diesem Grund gelangen sie sehr schnell aus dem Verdauungstrakt ins Blut und führen dort spontan zu hohen Blutzuckerwerten, die man grundsätzlich bei Diabetikern vermeiden sollte. Daher sollte in der Ernährung von diabetischen Hunden konsequent auf die Fütterung von Einfach- bzw. Zweifachzuckerverbindungen verzichtet werden. Ein- und Zweifachzucker werden häufiger in Dosenfutter, bei einigen Trockenfuttermitteln als Lockstoff bzw. bei Halbfeuchtfutter zur Wasserbindung eingesetzt. Aber auch Gebäck, Süßigkeiten, Honig und einige Obstsorten enthalten für Diabetiker nicht geeignete Zuckerverbindungen, die konsequent vom Speiseplan gestrichen werden sollten.

Anmerkung: Traubenzucker kommt bei diabetischen Hunden häufig in akuten Fällen von Unterzuckerung zum Einsatz, wobei dem Hund Traubenzucker gefüttert oder auch in die Lefzen gerieben wird.

Stärke – wichtigster Vielfachzucker aus Getreide

Stärke gehört zu den sogenannten Vielfachzuckern (Polysacchariden, Glykanen) und ist vor allen Dingen in Getreide und Gemüse zu finden. Stärke hat infolge seines komplexen Aufbaus den Vorteil, dass die Bereitstellung der Glukose für die Aufnahme in die Zellen relativ langsam stattfindet. So kommt es nach den Mahlzeiten zu einem langsamen Anstieg des Blutzuckerspiegels, der gleichzeitig relativ lange konstant bleibt. Dies ist von großem Vorteil für diabetische Hunde, da extreme Schwankungen und überlastende Beanspruchungen vermieden werden.
Aus diesem Grund sollte der Kohlenhydratbedarf des DM Hundes durch hochwertige Getreidesorten wie Hafer, Weizen, Dinkel etc. oder andere stärkehaltige Pflanzen (z. B. Maniok) sowie geeignetem Gemüse gedeckt werden. Hierbei muss selbstverständlich aufgrund der hohen Stoffwechselbelastung auf minderwertige pflanzliche Nebenerzeugnisse verzichtet werden. Die Aufbereitung der geeigneten Getreide- und anderen pflanzlichen Stärkearten mit Hilfe des Extrusionsverfahrens (dem Herstellungsverfahren der meisten Hundetrockenalleinfuttermittel) ist aufgrund der höheren Verdaulichkeit in der Regel für an DM erkrankte Hunde bekömmlicher als Dosenfutter, Flockenfutter oder pelletierte ("kaltgepresste") Futtermittel.

Glykämischer Index – Glykämische Last

Im Zusammenhang mit Diabetes mellitus beim Hund gewinnen die beiden Begriffe „Glykämischer Index“ und „Glykämische Last" immer mehr an Beachtung, so dass wir hier kurz darauf eingehen wollen.

Der Glykämische Index gibt Informationen über die Auswirkungen von Nahrungskomponenten auf den Blutzuckerspiegel, wobei in diesem Zusammenhang dem Stärkegehalt in der Hundeernährung die größte Bedeutung zukommt. Ermittelt wird der Glykämische Index eines Nahrungsmittels, indem die Blutzuckerreaktion auf die Einnahme von 50 g Kohlenhydraten aus dieser Komponente bestimmt wird. Dieser Wert wird in Relation gestellt zur Blutzuckerreaktion auf 50 g Traubenzucker. Leider wird die Kohlenhydratdichte des Nahrungsmittel beim Glykämischen Index nicht beachtet. Z. B. weisen Brot und Möhren den gleichen Glykämischen Index auf, obwohl man, um auf den gleichen Anteil an Kohlenhydraten zu kommen, vom Brot ca. 100 g und von den Möhren ca. 700 g aufnehmen muss.

Die Glykämische Last hingegen berücksichtigt neben dem Glykämischen Index auch die Kohlenhydratdichte eines Nahrungsmittels und vermittelt dementsprechend ein aussagekräftigeres Ergebnis.

Grundsätzlich haben alle Stärkequellen einen relativ hohen Glykämischen Index bzw. Glykämische Last. Sie sind nun einmal für die Kohlenhydratversorgung des Körpers zuständig. Studien aus dem Humanbereich (*3) belegen, dass letztendlich der tatsächliche Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit – unabhängig vom Glykämischen Index, dem Kohlenhydrattyp, der Stärkequelle und der weiteren Zusammensetzung der Ration – den tatsächlichen Insulinbedarf bestimmt. Mit anderen Worten: ist eine Insulintherapie nötig, ist die gesamte Kohlenhydratmenge der Ration entscheidend, unabhängig davon, ob man Hafer oder Reis füttert. Wichtig bleibt in diesem Zusammenhang, dass alle Stärkequellen aus Vielfachzuckern bestehen und so grundsätzlich einen konstanten Blutzuckerspiegel unterstützen.

Hafer – das besondere Getreide für Diabetiker

Photo Hafer

Was aber tatsächlich durch die Wahl der Stärkequelle beeinflussbar ist, ist die Reaktion des Körpers auf die Kohlenhydratzufuhr. Unter den für Diabetiker gut geeigneten Getreidesorten nimmt Hafer hierbei eine besondere Stellung ein, weil er im besonderen Maße einen konstanten Blutzuckerspiegel unterstützt. In der menschlichen Ernährung von Diabetikern wurde traditionell schon in Zeiten, in denen die Möglichkeiten von Insulininjektionen noch nicht gegeben waren, über spezielle Hafer-Diäten, Hafer-Tage etc. die förderliche Wirkung von Hafer genutzt. Diese Erfahrungen aus dem Humanbereich können auch für den Hund bestätigt werden. Hafer weist neben einem hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten eine ausgeglichene, gut bekömmliche Rohfaserzusammensetzung sowie einen hohen Gehalt an essentiellen Fettsäuren auf, die den Fettstoffwechsel positiv beeinflussen. Darüber hinaus ist Hafer reich an hochwertigen pflanzlichen Eiweißen, Vitaminen und Spurenelementen und hat eine sehr darmstabilisierende Wirkung. U. a. aus diesem Grund nimmt Hafer innerhalb des Marengo Fütterungskonzeptes einen wichtigen Platz ein und wird nicht nur in den getreidehaltigen Marengo Hundealleinfuttersorten, sondern auch im Marengo Country bewusst eingesetzt.

Unsere Empfehlung zur Kohlenhydratversorgung:

Ziel der Kohlenhydratversorgung bei einem diabeteskranken Hund ist es, einen relativ konstanten angemessen hohen Blutzuckerspiegel zu gewährleisten, um belastende Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Dafür benötigt man einen ausgewogenen Anteil an geeigneten Kohlenhydraten, der am besten in Form von Stärke aus Getreide wie Hafer, Dinkel und Weizen unter Verzicht auf Ein- und Zweifachzucker zur Verfügung gestellt wird. Eine besondere Stellung nimmt hierbei Hafer ein, der aufgrund seiner positiven Wirkungen auf den Stoffwechsel des Diabetikers traditionelle Bedeutung hat. Die Aufbereitung der stärkehaltigen Komponenten durch das Herstellungsverfahren der Extrusion ist aufgrund der hohen Verdaulichkeit und Verträglichkeit besonders gut für diabetische Hunde geeignet.

 

Fettversorgung

Insulin zeigt neben seinem Einfluss auf den Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel auch Wirkungen auf den Fettstoffwechsel, weshalb der Fettgehalt in der Fütterung von diabetischen Hunden ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Da bei Insulinmangel nicht genügend Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt, werden vermehrt Fette zur Energieversorgung herangezogen. Wird dieser Zustand nicht medizinisch behandelt und/oder verschlimmert sich die Situation, kann das Überangebot an Fettsäuren und deren sauren Abbauprodukten, den sogenannten Ketonkörpern, zu einer mehr oder weniger schweren Senkung des Blut pH-Wertes führen. Ein ungebremster Fettabbau zieht eine schwere Übersäuerung des Körpers, eine Ketoazidose, nach sich. Bleibt diese unbehandelt, kann sie tödlich enden.

Grundsätzlich sollte der Stoffwechsel aufgrund dieser Risiken und Zusammenhänge nicht zusätzlich mit einem übermäßigen Angebot an Fettsäuren unnötig belastet werden. Zudem kommt eine fettreduzierte Kost übergewichtigen (adipösen) Diabetikerhunden zugute, bei denen eine moderate Gewichtsreduzierung angestrebt wird. Noch ein weiterer Aspekt spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Ein nicht unbeachtlicher Anteil an diabeteskranken Hunden leidet gleichzeitig an einer exokrinen Bauchspeicheldrüsenstörung (EPI) bzw. zeigt ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. In beiden Fällen ist eine fettreduzierte Fütterung angezeigt.
Sinnvoll ist es auch, den Anteil an gesättigten – also tierischen – Fettsäuren im Futter nicht zu hoch zu wählen. Ungesättigte – also pflanzliche – Fettsäuren wirken sich positiv auf den Fettstoffwechsel des Diabetikers aus und sind daher bevorzugt zur Verfügung zu stellen.

Unsere Empfehlung zur Fettversorgung:

Ein reduzierter Gesamtfettgehalt von 6%-13% hat sich in der praktischen Fütterung von diabeteskranken Hunden bewährt. Dies kommt insbesondere übergewichtigen (adipösen) Diabetikerhunden zugute und senkt das Risiko einer gleichzeitigen Erkrankung an einer exokrinen Bauchspeicheldrüsenstörung (EPI). Eine natürliche Grenze der Fettreduktion wird durch einen zu hohen Gewichtsverlust bei untergewichtigen Hunden vorgegeben.
Es sollten nur hochwertige Fette wie z. B. Schweineschmalz, Rindertalg und Pflanzenöle verwendet bzw. gefüttert werden, um den Gehalt an freien (ranzigen) Fettsäuren möglichst gering zu halten. Auch ein ausgewogenes Verhältnis an gesättigten (tierischen) und ungesättigten (pflanzlichen) Fettsäuren ist anzustreben, wobei pflanzlichen Fetten der Vorzug gegeben werden sollte.

 

Faserstoffe im Futter

Häufig werden für die Rationsgestaltung diabetischer Hunde sehr hohe Rohfasergehalte angeraten. Hohe Rohfasergehalte sollen die Aufnahmegeschwindigkeit von Zuckerverbindungen aus dem Verdauungstrakt ins Blut verlangsamen und somit für eine konstanteren Blutzuckerspiegel sorgen. Obwohl es Studien gibt, die dies belegen, gibt es gleichzeitig Studien (*4), die keinen Vorteil gegenüber Rationen mit „normalen" Rohfasergehalten nachweisen. Auch die zu verabreichende Insulinmenge wird nicht vom Rohfasergehalt der Ration beeinflusst bzw. kann nicht reduziert werden.

Darüber hinaus gibt es deutliche, individuelle Unterschiede in der Reaktion auf hohe Rohfaseranteile, u. a. auch was die Verträglichkeit derselben betrifft. Die Praxis zeigt, dass zu hohe Rohfasergehalte infolge der Stoffwechselbelastung zu einer Verschlimmerung der gesamten Erkrankung führen können und in keinem Verhältnis zu dem Vorteil einer etwaigen Resorptionsverzögerung stehen. Eine angemessene und nebenwirkungsfreie Resorptionsgeschwindigkeit erreicht man nicht über einen belastend hohen Rohfasergehalt, sondern letztendlich doch nur über den Einsatz von geeignetem Getreide, das aus Stärke bzw. komplexen Kohlenhydraten aufgebaut ist. Darüber hinaus sind hohe Rohfaser- und Rohaschegehalte gerade für untergewichtige Hunde, die an Gewicht zulegen sollen, absolut ungeeignet, weil die Ration dadurch einen zu niedrigen Nährwert hat.

Unsere Empfehlung zum Rohfasergehalt:

Es ist nicht sinnvoll, pauschal bei jedem diabeteskranken Hund rohfaserreiche Rationen zu füttern. Dies sollte nur – wenn überhaupt – bei entsprechender Konstitution und Verträglichkeit durchgeführt werden. Hohe Rohfasergehalte sind stoffwechselbelastend und verzögern nicht in jedem Fall die Resorptionsgeschwindigkeit der Glukose.

In der Praxis hat sich bei Diabetikerhunden eine Rationsgestaltung mit einem moderaten bzw. sogar niedrigen Rohfasergehalt von 2-3% ebenso bewährt. Eine angemessene und nebenwirkungsfreie Resorptionsgeschwindigkeit erreicht man nicht über einen belastend hohen Rohfasergehalt, sondern letztendlich doch nur über den Einsatz von geeignetem Getreide, das aus Stärke bzw. komplexen Kohlenhydraten aufgebaut ist.

 

Broteinheiten des Marengo Hundefutters

Das Umrechnen der benötigten Kohlenhydratmenge in Broteinheiten (BE), wobei 1 Broteinheit einer Menge von 12 g Kohlenhydraten entspricht, ist heutzutage eigentlich nicht mehr üblich. Dies gilt auch für die alternative Angabe der Kohlenhydrateinheiten (KE oder KHE), bei der 1 Kohlenhydrateinheit für eine Menge an 10 g Kohlenhydraten steht.
Die Dosierung des Caninsulins wird primär über das Gewicht des Hundes einreguliert. Die Feinabstimmung erfolgt dann individuell. Wir geben die BE allerdings trotzdem innerhalb der Analysen unserer Futtersorten an. An dieser Stelle die Angaben der BE und KHE für alle in Frage kommenden Trockenfuttersorten gerechnet pro 100 g:

Broteinheiten (BE) Kohlenhydrateinheiten (KHE/KE)
Marengo Junior 3,8 BE
Marengo Premium 4 BE
Marengo Native Way 4,8 BE
Marengo Classic 4,4 BE
Marengo Country 5 BE
Cura naturalis Magen & Darm 3,9 BE
Marengo Junior 4,56 KHE
Marengo Premium 4,8 KHE
Marengo Native Way 5,76 KHE
Marengo Classic 5,28 KHE
Marengo Country 6 KHE
Cura naturalis Magen & Darm 4,68 KHE
 

Belohnungen, Leckereien und Selbstergänzungen

Grundsätzlich sollte man mit Leckereien bei diabetischen Hunden vorsichtig sein. In jedem Fall sollte jedes Leckerchen mit in die Tagesgesamtration eingerechnet werden. Dies gilt natürlich auch für selbstzubereitete Zwischenmahlzeiten, insbesondere wenn eine Insulintherapie erfolgt. Die Leckereien und Zwischenmahlzeiten sollten das gleiche Eiweiß-Energie-Verhältnis wie die Grundmahlzeiten (siehe Diäten) aufweisen. Ist der diabetische Hund übergewichtig, ist es ratsam, Leckereien erst einmal ganz vom Speiseplan zu streichen, damit eine Gewichtsreduzierung erfolgreicher durchgeführt werden kann.

 

Futtermenge

Die benötigte Gesamtfuttermenge muss immer individuell auf den Hund abgestimmt werden. Sie hängt wie bei gesunden Hunden von der Grundkonstitution, der Bewegungsaktivität, dem aktuellen Gesundheitszustand bzw. der Schwere des Krankheitszustandes, den Außentemperaturen etc. ab. Zudem muss auch der aktuelle Futterzustand – unter-, normal - oder übergewichtig – Beachtung finden.

Für jeden Diabetiker ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Futtermenge – meistens in Absprache mit dem Tierarzt – genau festgelegt und auch beibehalten wird. Hierbei sind auch eventuelle Leckerchen und Zwischenmahlzeiten unbedingt miteinzurechnen. Nur so kann der Blutzuckerspiegel relativ konstant gehalten und im Bedarfsfall die passende Insulinmenge einreguliert werden. Änderungen der Futtermenge sind immer mit absoluter Vorsicht durchzuführen, da die Folgen für den Hund ansonsten gravierend sein können.

 

Allgemeines zur Fütterungstechnik

In der Praxis hat es sich leider durchgesetzt, dass eigentlich fast jeder Hund mit Diabetes mellitus eine Insulintherapie erhält. Da wir aber trotzdem der Ansicht sind, dass in vielen Diabetesfällen durch Gewichtsreduzierung, eine angemesse Diät und die passende Fütterungstechnik eine lebenslange Insulintherapie überflüssig gemacht wird bzw. in jedem Fall die Chance dafür gegeben ist, gehen wir im folgenden auch auf die Fütterung von DM-Hunden ein, die kein Insulin erhalten.

 

Fütterungstechnik von DM-Hunden, die kein Insulin erhalten

Oberstes Ziel bei der Ernährung von diabeteskranken Hunden bleibt die Erhaltung eines relativ konstanten Blutzuckerwertes, der auch nach einer Mahlzeit nur langsam und mäßig ansteigen sollte. So kann eine unproblematische Einregulierung des Blutzucker- und Insulinspiegels erfolgen. Neben der Auswahl geeigneter Futterkomponenten und der Zusammenstellung einer diabetikergerechten Futterration (siehe unten) ist es für diabetische Hunde sehr wichtig, dass sie ca. 4-5 kleine Mahlzeiten relativ gleichmäßig über den Tag verteilt angeboten bekommen. Dies verhindert einen zu hohen Blutzuckerwert nach der Nahrungsaufnahme, da die Futtermenge bei jeder einzelnen Mahlzeit geringer ist und somit auch der jeweilige Insulinbedarf reduziert werden kann.

Wichtig ist es darüber hinaus, dass die Mahlzeiten tagtäglich pünktlich zur gleichen Zeit und in immer derselben Menge angeboten werden, da der Organismus sich auf die Nahrungsaufnahme einstellt und so eine Blutzuckerspiegeleinregulierung überhaupt erst möglich wird.

 

Fütterungstechnik von DM-Hunden, die Insulin erhalten

Grundsätzliches zur Insulintherapie

Bei allen Hunden, die Insulin erhalten, ist es dringend erforderlich, die passende Insulinmenge vom Tierarzt einstellen zu lassen. Die Ermittlung der richtigen Insulinmenge kann sich über ein paar Wochen hinziehen, eine Zeit, in der normalerweise etliche Blut- und Harnuntersuchungen nötig sind. In der Regel erhält man beim Tierarzt genaueste Anweisungen über Anwendung, Aufbewahrung und Verhalten bei auftretenden Schwierigkeiten.

Es gibt einige kritische Ausnahmesituationen, auf die man vorbereitet sein sollte. Hierzu gehören: beim Injizieren versehentlich „daneben gegangenes" Insulin, Erbrechen nach dem Fressen, Appetitverlust oder auch, versehentlich eine zu hohe Dosis Insulin verabreicht zu haben. Man sollte die Symptome einer Über- und Unterzuckerung frühzeitig erkennen können und muss sich dementsprechend damit beschäftigen und Gegenmaßnahmen konsequent vorausplanen.

Die häufigste Komplikation bei diabetischen Hunden, die Insulin erhalten, ist nach wie vor die Unterzuckerung (Hypoglykämie), verursacht durch eine zu hohe Menge an gespritztem Insulin. Auch eine unbehandelte Hypoglykämie kann tödlich enden, darum ist umfassende Beschäftigung mit dem Thema unerlässlich.

Fütterungstechnik von DM Hunden, die zweimal täglich Insulin erhalten

Das in Deutschland momentan für Hunde zugelassene Insulinpräparat für Diabetes mellitus heißt Caninsulin. Es enthält das sogenannte Lente-Insulin vom Schwein, das in seiner Struktur fast dem Insulin des Hundes entspricht und sich gut bewährt hat. Caninsulin kommt bei der unkomplizierten Verlaufsform von DM zum Einsatz und zielt auf eine längere Wirkdauer ab. Um diese Wirkdauer zu erzielen, wird das enthaltene Insulin mit Zink angereichert. Die Wirkung tritt nach 30 min-3 h nach der Injektion ein, zeigt den Maximaleffekt nach 2-10 h und hat eine Wirkdauer von 4-24 h. Aus diesem Grund ist es möglich, dass diabeteskranke Hunde nur zweimal täglich Insulin gespritzt bekommen müssen. Die Fütterung wird dementsprechend angepasst. Hunde, die zweimal täglich Caninsulin erhalten, füttert man mindestens zweimal täglich im genauen Abstand von 12 Stunden direkt vor der jeweiligen Insulininjektion. Um den Blutzuckerspiegel relativ konstant zu halten, kann man auch mit Erfolg 3-4 mal täglich füttern. In diesem Fall sind die beiden weiteren Mahlzeiten in Abstimmung mit der maximalen Insulinwirkung zu geben. Ein Beispiel: Die beiden Hauptmahlzeiten morgens um 7:00 und abends um 19:00 im Zusammenspiel mit den Insulininjektionen sowie zwei kleinere Zwischenmahlzeiten um 12:00 und vor der Nachtruhe. Bitte sprechen Sie das genaue Vorgehen mit Ihrem behandelnden Tierarzt ab.

Das Insulin muss, um nicht zu einer schwerwiegenden Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit schweren Krankheitssymptomen bis hin zu komatösen Zuständen zu führen, auf einen genügend hohen Blutzuckerspiegel treffen. Obwohl viele Tierärzte anraten, erst Insulin zu spritzen und dann zu füttern, empfehlen wir, die Fütterung vor der Insulingabe zu tätigen. So hat man letztendlich einen größeren Handlungsspielraum, wenn der Hund keinen Appetit zeigt oder sich z. B. nach der Mahlzeit erbrechen muss.

Anmerkung: Für die Behandlung einer komplizierten Verlaufsform des DM ist eine akute Intensivbehandlung mit kurzwirksamem Insulin (Altinsulin) durch den Tierarzt nötig. Die Wirkung kurzwirksamer Insuline setzt ca. nach 15-30 min ein, erreicht ihren Höhepunkt nach 1-4 h und hat eine Wirkdauer von ca. 3-6 h. Sie kommen aber ausschließlich durch den Tierarzt zum Einsatz.

Fütterungstechnik von DM-Hunden, die einmal täglich Insulin erhalten

In seltenen Fällen gibt es diabetische Hunde, die nur einmal täglich Insulin erhalten. In diesen Fällen sollte zusammen mit dem Tierazt festgestellt werden, wann der Maximaleffekt des Insulins bei diesem Hund eintritt und zu welchen Tageszeiten die Insulinwirkung geringer ist. Anhand dieser Informationen kann mit Hilfe der Kombinationsfütterung von Marengo Country plus Marengo Wolfshappen oder Marengo Bio beef bzw. selbstgewählte Eiweißträger die Fütterung optimiert werden. So füttert man kohlenhydratreich zu den Zeiten des Maximaleffektes und proteinreicher zu den Tageszeiten, in denen die Insulinwirkung geringer ist. Gerne beraten wir Sie hierzu individuell unter beratung@marengo.de bzw. unter Tel. 05457/9336548.

 

Grundsätzliches zu den Marengo Diabetes Diäten

Kombinationsfütterung von Fleischnahrung mit Marengo Country

Unsere erste Empfehlung für alle an DM erkrankten Hunde ist eine Kombinationsfütterung von Marengo Wolfshappen oder Marengo Bio beef – alternativ auch selbstgewählte Eiweißträger – in Kombination mit Marengo Country. Diese Art der Fütterung bietet mehrere Vorteile:

  1. Durch die Möglichkeit der Auswahl von geeigneten Eiweißträgern wie Marengo Wolfshappen und Marengo Bio beef ist eine optimale und auch individuelle Einstellung des Protein- und Fettgehaltes problemlos möglich. So können sowohl untergewichtige als auch stark übergewichtige Hunde angemessen versorgt werden.
  2. Marengo Country enthält ausschließlich pflanzliche Fette, so dass die Menge an tierischen Fetten in den Rationen niedrig gehalten werden kann, was bei an DM erkrankten Hunden von Vorteil ist.
  3. Wird der diabetische Hund nur einmal täglich mit Insulin gespritzt, können die notwendigen unterschiedlichen Kohlenhydratanteile einzelner Mahlzeiten durch Variationen des Mischungsverhältnisses sehr leicht zubereitet werden.

Trockenfutter

Selbstverständlich können Hunde mit Diabetes auch mit den Marengo Trockenfuttersorten gefüttert werden – insbesondere Hunde, die Insulin erhalten. Hier wird das fehlende Insulin von außen zugeführt und trifft auf ein angemessenes Eiweiß-Energie-Verhältnis. Die speziellen Empfehlungen entnehmen Sie bitte den Diäten.

Nassfutter

Wir raten von der ausschließlichen Fütterung von Dosenalleinfutter bei Diabetikern ab. In der Regel ist der Gehalt an Protein und tierischem Fett zu hoch und darum nicht für einen diabetischen Hund geeignet. Dies wird auch zum Teil durch die Art der Herstellung vorgegeben. Häufig wird vergessen, die auf den Dosen deklarierten Gehalte in die Trockensubstanz umzurechnen. Dadurch sehen Rohprotein- und Fettgehalte im ersten Moment sehr niedrig aus.

Ein Beispiel: Bei ausgewiesenen Gehalten von: Rohprotein 10% , Fett 7,2% und einem Feuchtigkeitsanteil von 74% ergeben sich umgerechnet in die Trockensubstanz (und somit vergleichbar mit einem Trockenfutter) folgende Gehalte: Rohprotein ca. 38,5% und Rohfett ca. 30%.
Diese Dose wäre eindeutig nicht für einen diabetischen Hund geeignet.

 

Marengo Diabetes Diäten

Übergewichtige oder zu Übergewicht neigende Hunde Unter- bis normalgewichtige Hunde schlanken Typs
Variante 1: Marengo Wolfshappen + Marengo Country
  • Marengo Wolfshappen + Marengo Country (55% : 45%)
  • Marengo Wolfshappen + Marengo Country (60% : 40%)
Variante 2: Marengo Bio beef + Marengo Country
  • Marengo Bio beef + Marengo Country (55% : 45%)
  • Marengo Bio beef + Marengo Country (60% : 40%)
Variante 3: Marengo Native Way
  • Marengo Native Way (100%)
  • Marengo Native Way (100%)
Variante 4: Marengo Premium
  • Marengo Premium
  • Marengo Premium
Variante 5: Cura naturalis Magen und Darm
  • Cura naturalis Magen und Darm
  • Cura naturalis Magen und Darm

Ausführliche Informationen zu allen Produkten finden Sie im Marengo Shop.

Welpen, die unter 6 Monate alt sind, leiden selten unter Diabetes mellitus. Wenn doch, dann benötigen sie in der Regel eine besondere Diät. Bitte kontaktieren Sie uns in diesem Fall, damit wir einen individuellen Fütterungsplan für Ihren Welpen erstellen können.

 

Anmerkung zur Fütterung von übergewichtigen Hunden

Bei übergewichtigen Hunden steht immer die vorsichtig durchzuführende Gewichtsreduzierung im Vordergrund. Bitte lesen Sie hierzu den Artikel Marengo Spezialdiäten: Übergewicht.

Wichtig! Als Reduktionsdiät ist eine Kombinationsfütterung von 2/3 Marengo Classic plus 1/3 Marengo Country wie im oben genannten Artikel beschrieben aufgrund des niedrigen Proteingehaltes für diabeteskranke Hunde nicht geeignet.

Wichtig bei allen übergewichtigen Hunden mit DM!

  1. Bitte regulieren Sie unbedingt die Futtermenge passend ein! Auch ein noch so ausgefeilter Diätplan zeigt keinen Erfolg, wenn der Hund eine zu hohe Futtermenge bekommt.
  2. Lassen Sie eingehend prüfen, ob Insulininjektionen wirklich notwendig sind oder ob die Krankheitssymptome bei Umstellung der Fütterung nicht schon zurückgehen.
  3. Erhält Ihr übergewichtiger Hund bereits Insulin, so bedenken Sie, dass die Insulinempfindlichkeit der Zellen mit jedem Gramm, das Ihr Hund abnimmt, wieder verbessert wird. Aus diesen Grund muss die Insulinmenge, die per Injektion gegeben wird, unbedingt reduziert bzw. angepasst werden. Beachtet man dies nicht, so kann es durch eine zu hohe Gabe an Insulin u. U. zu einer gefährlichen Unterzuckerung des Hundes kommen.

 

Zusammenfassung

Grundsätzlich handelt es sich beim Diabetes mellitus um eine Stoffwechselstörung, die in unterschiedlichsten Schweregraden in Erscheinung treten kann. Unabhängig vom vorliegenden Diabetes-Typ kann man die Fütterung über spezielle Diäten so optimieren, dass der Hund an Lebensqualität gewinnt und in bestimmten Fällen sogar eine Chance auf Heilung hat. Dies gilt insbesondere für die Diabeteserkrankungen, die durch Übergewicht begünstigt bzw. sogar ausgelöst wurden. Die Chancen, durch eine sachgerechte Gewichtsreduzierung den Organismus zur Regeneration der Insulinsensibilität anzuregen, sind vorhanden. Bevor Sie einer verfrühten Insulintherapie zustimmen, sollten Sie diese Chancen für Ihren Hund nutzen.

Literaturnachweis

Suter, Kohn, Schwarz – Praktikum der Hundeklinik, 11. Auflage
H.-J. Christoph, herausgegeben von Freudiger, Grünbaum, Schinke – Klinik der Hundekrankheiten
Edward T. Siegel – Endokrine Krankheiten des Hundes
Wilfried Twedten – Labordiagnsotik in der Kleintierpraxis
Kraft, Dürr – Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin
Helmut Meyer, Jürgen Zentek, – Ernährung des Hundes, 7. aktualisierte Auflage
Case, Carey, Hirakawa – Ernährung von Hund und Katze
Linda Fleeman, Jacquie Rand – Enzyklopädie der klinischen Diätetik des Hundes, Diabetes mellitus: Diätetische Strategien
Klinik für Kleintiere Justus-Liebig Universität Gießen – Informationsblatt – Diabetes beim Hund

(*1) Beam S, Correa MT, Davidson MG-A, retrospective cohort study on the development of cataracts in dogs with diabetes mellitus: 200 cases. Vet Ophtalmol 1999, 2:169-172

(*2) Struble AL, Feldmann EC, Nelson RW,et. al – Systemic hypertension and proteinuria in dogs with diabetes mellitus. J.Am Vet Med Assoc 1998; 213:822-825

(*3) Franz MJ, Bantle JP, Beebe CA et al. – Evidenced-based nutrition principles and recommendations for the treatment and prevention of diabetes and related complications (technical review), Diabetes Care 2002, 25: 148-198

(*4) Nelson RW, Duesber CA, Ford SL et. al – Effect of dietary insoluble fiber on control of glycaemia in dogs with naturally acquired diabetes mellitus. J AMVet Med Assoc 1998; 212: 380-386

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Aktualisiert April 2021

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