Folsäure für die Zuchthündin?

Im Humanbereich seit Jahren bereits bekannt und praktiziert ist die Verschreibung von Folsäurepräparaten für Schwangere, um sie vor Frühgeburten und Fehlbildungen zu schützen.

Hier soll insbesondere der Erkrankung Spina bifida (= offener Rücken) häufig in Verbindung mit dem sogenannten Hydrocephalus (Wasserkopf) vorgebeugt werden. Obwohl die Meinungen über den Erfolg des Einsatzes wie immer sehr geteilt sind, erreichen diese „Trends“ dann irgendwann auch den Tierbereich. So wundert es nicht, dass neuerdings auch für Zuchthündinnen eine Beifütterung von synthetischer Folsäure während der Trächtigkeit empfohlen wird.

Grundsätzlich stellt sich aber hier die Frage, ob die Beigabe von synthetischer Folsäure beim Hund sinnvoll ist.

Wie wird synthetische Folsäure hergestellt?
In dem Kapitel „Ochsenfrösche zu Folsäure“ beschreibt Hans-Ulrich Grimm in seinem Buch „Vitaminschock“ eindringlich, was sich hinter dem Begriff „Folsäurepräparat“ verbirgt.
„Grundsubstanz des Vitamins sind die sogenannten Pteridine. Für deren Herstellung kommen die Labors oft nicht umhin, wie es so schön heisst 'natives Material heranzuziehen'. Was nichts anderes bedeutet als : tote Tiere...“
Ein bewährtes Rezept zur Herstellung von Pteridinen:
„Man nehme 100 Gramm Ochsenfroschhaut und lasse sie in 200 Milliliter Wasser fünfzehn bis dreissig Minuten lang kochen. Am Ende erhält man einen Brei, der ziemlich stark an verwesten Fisch erinnert. Dieser Brei wird homogenisiert (wie wir es von der Milch her kennen) und anschliessend mit Alkohol und Äther behandelt. Der Sinn dieser Massnahme: Das Fett soll raus.
Wir erhalten so einen deftigen Froschhautbrei, der mit Betäubungsmitteln vollgepumpt ist und auf dessen Oberfläche Fettaugen schwimmen, wie es sich für eine gute Fleischbrühe gehört. Mit dieser Suppe ist dann endlich der Weg frei, um per Chromatographie die Pteridine für die Folsäure herauszuholen.“
Das bedeutet, dass auf Basis dieser so gewonnenen Pteridine die klassische Kunst des Chemikers zur Herstellung von synthetischer Folsäure beginnen kann.

Neben der Fragwürdigkeit der Herstellung dieser synthetischen Folsäure ergibt sich natürlich wie immer auch das Problem der massiv unterschiedlichen Wirkungsweise von natürlichen und synthetischen Vitaminen.

Welche Aufgabe hat natürliche Folsäure im Zusammenhang mit der Entwicklung von Welpen?
Eine wichtige Rolle der natürlichen Folsäure im Organismus ist ihre Beteiligung an der Synthese von Thymidin, einem Bestandteil der Desoxyribonukleinsäure (DNA). Bei einem Folsäuremangel im Körper kann die DNA nicht entsprechend produziert werden, was zu reduziertem Zellwachstum und gestörter Zellreifung führen kann. Darum spielt Folsäure gerade bei der Entwicklung der Welpen im Uterus eine so wichtige Rolle.

Eigensynthese von Folsäure im Dickdarm beim Hund
Wie auch andere B-Vitamine wird Folsäure durch Bakterien im Dickdarm des Hundes synthetisiert. Das bedeutet, dass der Hund auf eine Zufuhr durch die Nahrung nicht angewiesen ist, da er seinen Bedarf an Folsäure selbstständig herstellen und somit decken kann.
Selbstverständlich enthält eine qualitätsvolle Hundenahrung dennoch natürliche Folsäure – z. B. durch Komponenten wie Innereien, Gemüse, Milch etc. – , so dass es hier für alle Eventualitäten auch noch einen ausreichenden „Puffer“ gibt.
Daher ist unter normalen Umständen auch bei Zuchthündinnen nicht mit einem Folsäuremangel zu rechnen. Zusätzliche synthetische Beigaben können im Gegenteil die natürlichen Regulationsvorgänge im Vitaminstoffwechsel stören und so Probleme unter Umständen erst auslösen.

Dem Argument, dass durch eine arg angegriffene Darmflora die Eigensynthese behindert sein und dies einen Folsäuremangel auslösen könnte, kann entkräftend entgegen gehalten werden, dass eine Störung der Eigensynthese von Folsäure als krankhaft und nicht als normal zu bezeichnen ist. Diese Störung tritt in der Regel nur bei Hunden mit heftigen, chronischen Darmproblemen bzw. bei stark angeschlagener Gesundheit auf, die in jedem Fall medizinischer Hilfe bedürfen. Verantwortungsvolle Züchter setzen derart geschwächte Tiere sicherlich nicht zur Zucht ein. Zudem bietet die über die Nahrung zugeführte Folsäure wie oben bereits erwähnt auch immer eine zusätzliche Sicherheit.

Was tun, wenn Mißbildungen bei den Welpen auftreten?
Wenn trotz Gesundheit der Mutterhündin, hochwertigem Futter und maßvollem Umgang mit chemischen Wurmkuren Probleme mit Mißbildungen im Wurf auftreten, sollte gründlichst nach den Ursachen geforscht werden.
Zum einen ist es ratsam, grundsätzlich noch einmal den Gesundheitszustand der Hündin checken zu lassen – insbesondere in Hinblick auf eine gesunde Darmflora und eventuell schlummernde innere Erkrankungen.
Sicherlich ist auch über das Thema „Erbgesundheit“ nachzudenken, was ein verantwortungsvoller Züchter aber in der Regel vorab getan hat.
Eine Möglichkeit, die in der Praxis oft übersehen wird, ist das Erwägen, ob die Anpaarung vielleicht nicht so ideal war. Es kann durchaus der Fall eintreten, dass trotz Erbgesundheit beider Elternteile eine Anpaarung einfach „nicht passt“. In jedem Fall sollte man beim nächsten Wurf eine andere Blutlinie zur Anpaarung wählen.

Prophylaxe
Die beste Prophylaxe gegen Mißbildungen bei Welpen, Erbgesundheit vorausgesetzt, ist nach wie vor eine gesunde Mutterhündin, die ausgewogen und hochwertig ernährt wird und bei der auf einen maßvollen Umgang mit chemischen Präparaten, die einen belastenden Einfluss auf die Darmflora haben können, geachtet wird.
So beugt man nicht nur einem etwaigen Folsäuremangel, sondern auch anderen Ursachen für Missbildungen bei Welpen effektiv vor.

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